Erdwärme einfach erklärt: Was ist Geothermie und wie funktioniert sie?
Erdwärme (auch Geothermie genannt) ist die im Erdinneren gespeicherte Wärmeenergie. Der Erdkern ist rund 6.000 °C heiß – und selbst in geringen Tiefen herrscht im Boden das ganze Jahr über eine konstante Temperatur von ca. 8–12 °C. Diese natürliche, erneuerbare Energiequelle lässt sich mit einer Erdwärmepumpe zum Heizen, Kühlen und zur Warmwasserbereitung von Gebäuden nutzen – unabhängig von Jahreszeit, Wetterlage und fossilen Brennstoffen.
Wie funktioniert eine Erdwärmeanlage?
Eine Erdwärmeanlage besteht aus drei wesentlichen Komponenten:
- Wärmequelle im Untergrund – Erdwärmesonde, Flächenkollektor oder Grundwasserbrunnen
- Wärmeträgermedium (Sole) – ein Wasser-Glykol-Gemisch, das die Wärme vom Erdreich zur Wärmepumpe transportiert
- Wärmepumpe – hebt das Temperaturniveau an und verteilt die Wärme im Haus (Heizkörper, Fußbodenheizung, Warmwasser)
Prinzip: Die Sole zirkuliert durch die Erdwärmesonde im Boden, nimmt dort Wärme auf und gibt sie an die Wärmepumpe ab. Die Wärmepumpe erzeugt daraus nutzbare Heizwärme – ähnlich wie ein Kühlschrank, nur umgekehrt.
Welche Arten von Erdwärmesystemen gibt es?
Erdwärmesonden (Vertikalkollektoren)
Die häufigste und platzsparendste Methode: Ein zertifiziertes Bohrunternehmen bohrt ein Loch senkrecht in den Untergrund – typischerweise 80 bis 200 Meter tief, bei Bedarf auch tiefer (Geser Erdwärme installierte 2007 die weltweit tiefste dokumentierte PE-Sonde mit 706 m in Oftringen, Schweiz). In das Bohrloch wird eine Kunststoffsonde (meist U-förmig, Durchmesser DA32 bis DA50 und größer) eingebracht und der Ringraum mit Verpressmaterial dauerhaft abgedichtet.
Vorteile: Geringer Flächenbedarf · hohe Effizienz · geringer Temperaturunterschied über Jahreszeiten
Flächenkollektoren (Horizontalkollektoren)
Kunststoffrohre werden horizontal ca. 120 bis 150 cm tief und frostsicher verlegt. Für ein modernes Einfamilienhaus werden ca. 150 bis 200 m² Kollektorfläche benötigt. Die Fläche darf danach nicht überbaut werden.
Vorteile: Günstiger in der Installation · keine Bohrung erforderlich
Nachteil: Großer Flächenbedarf · saisonale Temperaturschwankungen möglich
Grundwassernutzung (offene Systeme)
Über einen Schluckbrunnen wird Grundwasser direkt der Wärmepumpe zugeführt. Sehr effizient – erfordert aber eine aufwendige hydrogeologische Voruntersuchung und strenge behördliche Genehmigung.
Vorteile: Höchste Effizienz der drei Systeme
Nachteil: Hoher Planungsaufwand · regelmäßige Wartung nötig

Kann ich Erdwärme auch im Bestandsgebäude nutzen?
Ja – grundsätzlich kann heute jedes Gebäude mit Erdwärme versorgt werden, auch im Bestand. Beim Einbau in ein bestehendes Haus sind folgende Punkte zu klären:
- Welches System (Sonde, Flächenkollektor, Brunnen) passt zum Grundstück?
- Ist ausreichend Platz für die Baustelleneinrichtung vorhanden?
- Wie ist das bestehende Heizsystem aufgebaut – kann es übernommen werden?
- Ist eine Verbesserung der Gebäudedämmung sinnvoll?
Wichtig: Bestehende Heizkörper können mit der Wärmepumpe verbunden werden – eine Fußbodenheizung ist nicht zwingend erforderlich. Entscheidend ist, dass die Vorlauftemperatur des Systems ausreichend niedrig ist (idealerweise unter 55 °C). Eine Überprüfung durch einen Fachbetrieb ist empfehlenswert.
Erdwärme im Allgäu – Was muss ich wissen?
Im Allgäu und im Westallgäu herrschen günstige geologische Voraussetzungen für Erdwärmeanlagen. Dennoch ist eine individuelle Standortbeurteilung immer notwendig. In Bayern gilt:
- Genehmigungspflicht: Erdwärmebohrungen sind im Freistaat Bayern anzeige- und genehmigungspflichtig.
- Zuständige Behörde: Die Untere Wasserbehörde des jeweiligen Landkreises erteilt die wasserrechtliche Genehmigung – Bearbeitungszeit in der Regel ca. 4 Wochen.
- Bergrechtliche Genehmigung: Bei Bohrtiefen über 100 m oder großen Anlagen ist zusätzlich eine Genehmigung des Landesbergamtes erforderlich.
- Potenzialklarten: Das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) stellt online Geothermie-Potenzialklarten bereit, die eine erste Orientierung bieten. Diese ersetzen jedoch nicht die fachliche Planung.
Kann Erdwärme kühlen?
Ja – ein großer Vorteil von erdgekoppelten Systemen. Im Sommer kann die konstante Kühle aus dem Erdreich direkt zum passiven Kühlen des Gebäudes genutzt werden. Da dabei nur die Umwälzpumpen im Quell- und Heizkreislauf arbeiten, benötigt die passive Kühlung nur ca. 13 % der Energie des Heizvorgangs – extrem wirtschaftlich.

Was kostet eine Erdwärmeanlage und wann rechnet sie sich?
Erdwärme erfordert eine höhere Anfangsinvestition als ein Gas- oder Ölbrenner. Die laufenden Betriebskosten sind jedoch deutlich geringer, da die Wärmepumpe bis zu 75 % ihrer Energie kostenlos aus dem Erdreich bezieht – nur der Antriebsstrom wird bezahlt.
Typische Amortisationszeit im Einfamilienhausbereich: ca. 7 Jahre
Zusätzlich wird Erdwärme in Deutschland staatlich gefördert (BAFA-Bundesförderung für effiziente Gebäude, KfW-Programme). Informieren Sie sich beim zuständigen Energieberater über aktuelle Fördersätze.
Ist Erdwärme umweltfreundlich?
Erdwärmepumpen zählen zu den klimafreundlichsten Heizsystemen überhaupt:
- Niedrigster CO₂-Ausstoß aller Heizsysteme im Betrieb
- Kein fossiler Brennstoff – keine Abhängigkeit von Gas, Öl oder deren Preisentwicklung
- Bei Nutzung von Ökostrom sinkt der CO₂-Ausstoß auf nahezu null
- Beitrag zur Energiewende und zur Erreichung der Klimaziele
- Erdwärmesonden sind auf mehrere Generationen ausgelegt – keine Entsorgungsproblematik
Worauf komme ich beim Bohrunternehmen achten?
Die Qualität der Bohrung entscheidet über den langfristigen Erfolg der Anlage. Achten Sie auf:
- DVGW-Zertifizierung W 120 (Deutsches Regelwerk für Erdwärmesondenbohrungen)
- Kenntnisse der lokalen Geologie im Allgäu / in Bayern
- Referenzanlagen in der Region
- Vollständige Dokumentation aller Bohrarbeiten und Nachweise gegenüber Behörden
- SKZ-Prüfzeichen für verwendete Sondenmaterialien
Videos – Erdwärme einfach erklärt
Unsere Video-Empfehlungen vermitteln praxisnah, wie Erdwärme funktioniert, was beim Einbau zu beachten ist und wie die Technologie auch in Bestandsgebäuden eingesetzt werden kann.
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Weiterführende Links & Informationen
Für weitere Informationen zu Erdwärme und Geothermie empfehlen wir folgende Quellen:
- Erdwärme Gemeinschaft Bayern e.V.
- Geothermische Vereinigung – Bundesverband Geothermie e.V.
- Bundesverband Wärmepumpe e.V.
- VÖBU – Vereinigung Österreichischer Bohr-, Brunnenbau- und Spezialtiefbauunternehmungen
- Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU)
- Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi)
- Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
- Geothermisches Informationssystem Deutschland
